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Fräser Arten: Welcher Fräser passt zu welcher Aufgabe?

Von Schaft- bis Scheibenfräser: Bauformen, Schneidstoffe und die Zuordnung zu Stahl, Aluminium und Holz im Überblick.

Von Redaktion 5 Min. Lesezeit

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Schaftfräser taucht in ein Metallwerkstück ein, Kühlmittel benetzt die Oberfläche, Späne liegen auf dem Werkstück.
Foto: gefrorene_wand / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Das Fachwiki der Fachakademie für Schneidwerkzeug- und Schleiftechnik führt 16 Fräserarten, darunter Schaft-, Walzenstirn-, Scheiben-, Winkel-, Prismen-, T-Nut-, Gewinde-, Eckradius- und Einzahnfräser. Viele Übersichten nennen nur sechs Bauformen. Welcher Fräser passt, entscheidet die Aufgabe (Nut, Fläche, Fase, Profil), danach der Werkstoff und die vorhandene Aufnahme.

Die Bauformen unterscheiden sich in Aufgabe, Aufnahme und Werkstoff. Radius-, Kugel- und Formfräser sind eigene Typen und nicht austauschbar.

Hinweis: Die Rechenwerte in diesem Text sind Richtwerte zur Veranschaulichung. Verbindlich sind die Schnittdaten des jeweiligen Werkzeugherstellers und die Vorgaben der Maschine. Werkzeuge nur mit passender Aufnahme und Schutzeinrichtung betreiben.

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Fräser nach Bauform

Die Bauform legt fest, welche Geometrie das Werkzeug erzeugt.

FräserartTypische AufgabeAufnahmeZähnezahl-TendenzWerkstoff
SchaftfräserNuten, Taschen, KonturenSchaft (Zylinder, Weldon, Morsekegel)je nach Durchmesser und WerkstoffStahl, Alu, Kunststoff
WalzenstirnfräserEbene FlächenAufsteck mit Bohrungje nach Durchmesser und WerkstoffStahl, Guss
ScheibenfräserLange, tiefe, offene NutenAufsteck mit Bohrungmind. 2 Schneiden im EingriffStahl, Guss
WinkelfräserFasen, SchwalbenschwänzeSchaft oder Aufsteckje nach GrößeStahl, Alu
PrismenfräserPrismatische Führungen, Fasenje nach Ausführungje nach GrößeStahl
T-NutenfräserT-Nuten für SpannelementeSchaftje nach GrößeStahl, Alu
EinzahnfräserMaterial mit SpanproblemSchaft1 ZahnAlu, Kunststoff, Plexiglas

Die Tabelle gibt Tendenzen wieder, keine festen Normwerte. Konkrete Zähnezahlen, Durchmesser und Schaftmaße unterscheiden sich je nach Hersteller und Norm.

Schaft- und Walzenstirnfräser

Der Schaftfräser ist das Universalwerkzeug der CNC-Fertigung und wird über seinen Schaft gespannt. Als Schaftarten kommen unter anderem Zylinder-, Weldon- und Morsekegelschaft vor. Eine pauschale Obergrenze von 40 mm Durchmesser für Schaftfräser mit Morsekegel, wie sie mancher Anbieter nennt, ist nicht belegt. Schaftart und Durchmesser hängen von Norm und Aufnahme ab.

Der Walzenstirnfräser sitzt dagegen mit einer Bohrung auf einem Fräsdorn. Er bearbeitet größere ebene Flächen.

Scheibenfräser

Scheibenfräser fräsen lange, tiefe und offene Nuten. Nach dem Fachwiki sollten stets mindestens zwei Schneiden gleichzeitig im Eingriff sein, damit das Werkzeug ruhig läuft. Mehrere Scheibenfräser lassen sich als Satz auf einem Dorn montieren. Bei der gekuppelten Ausführung stellen Distanzringe die Breite ein.

Winkel- und Prismenfräser

Winkelfräser haben eine konische Form. Nach dem Fachwiki sind 30°, 45°, 60°, 70° und 75° üblich. Typische Aufgaben sind Fasen und Schwalbenschwanzführungen.

WinkelTypischer Einsatz
30°, 45°, 60°, 70°, 75°Einsatz u. a. für Schwalbenschwanzführungen; der Winkel richtet sich nach der Zeichnung

Die Zuordnung von Winkel zu Einsatz folgt der Zeichnung des Werkstücks. Das Fachwiki nennt Schwalbenschwanzführungen ausdrücklich als Einsatzgebiet. Prismenfräser sind nach DIN 847 genormt, ihre Schneiden verlaufen axial gerade, sie dienen prismatischen Führungen und Fasen.

Radius-, Kugel- und Formfräser unterscheiden

In vielen Übersichten wird der Kugelfräser als Radiusfräser geführt. Das Fachwiki trennt genauer: Vollradius-, Eckradius- und Viertelkreisfräser sind eigene Typen. Der Kugelfräser entspricht weitgehend dem Vollradiusfräser, die Begriffe sind aber nicht deckungsgleich. Der Eckradiusfräser hat dagegen einen Radius nur an der Ecke und eine plane Stirn.

Die Folge für die Praxis: Vollradius- und Eckradiusfräser erzeugen unterschiedliche Geometrien, die Wahl richtet sich nach der Zeichnung des Werkstücks. Ein Austausch verändert die Geometrie am Werkstück.

Zu den Formfräsern zählen unter anderem Gesenk-, Gewinde- und Langlochfräser. Das Fachwiki führt außerdem Langloch- und Gesenkfräser.

Fräser nach Schneidstoff

Gühring nennt als übliche Schneidstoffe für Schaftfräser Schnellarbeitsstahl (HSS) und Vollhartmetall (VHM). VHM-Universal- und Hochleistungsfräser laufen auf modernen CNC-Maschinen.

SchneidstoffStärkeTypischer Einsatz
HSSSchnellarbeitsstahl, übliche Wahl für Schaftfräserje nach Maschine und Werkstoff
VHMVollhartmetall, für moderne CNC-MaschinenUniversal- und Hochleistungsfräser
WendeplatteSchneide wechselbarnach Herstellerangabe

Die Eigenschaften in der Tabelle sind qualitative Einordnungen. Konkrete Standzeiten und Schnittgeschwindigkeiten liefern nur die Datenblätter der Hersteller.

Zu Hartmetall kursiert eine ungenaue Angabe: Es bestehe „aus Wolfram, Titan und Chrom“. Fachlich ist Hartmetall Wolframkarbid in einem Kobaltbinder. Titan- oder Tantalkarbid kommen als Zusätze vor, Chrom nicht als Hauptbestandteil. Eine pauschale Rangfolge von HSS und Hartmetall gibt es nicht, die Wahl hängt von Werkstoff und Maschine ab.

Fräser für Holz und Kunststoff

Holzfräser unterscheiden sich von Metallfräsern in Schneidengeometrie, Drehzahl und Schutzvorrichtungen. Die gängigen Typen:

  • Fräser für die Oberfräse mit Schaft, etwa Nut-, Falz- und Profilfräser
  • Profilmesserköpfe für Tischfräsmaschinen und Hobelautomaten
  • Einzahnfräser für Plattenmaterial und Kunststoff

Profilmesserköpfe dürfen laut Fachwiki nur mit passenden profilierten Abweisern verwendet werden. Mit diesen Abweisern sind sie spandickenbegrenzt und rückschlagarm. Ohne passende Abweiser sind sie nicht spandickenbegrenzt und nicht rückschlagarm.

Der Einzahnfräser ist ein Schaftfräser mit einer Schneide. Das Fachwiki nennt als Einsatz Aluminium, Kunststoff, Plattenmaterial, NE-Metall und Plexiglas. Die Einsatzgebiete sind damit auf weiche und zerspanungskritische Werkstoffe begrenzt.

Welcher Fräser für welches Material?

Als Faustregel für die Auswahl: Erst die Aufgabe klären, dann die Bauform wählen, dann den Schneidstoff passend zu Werkstoff und Maschine.

  1. Aufgabe festlegen: Fläche, Nut, Tasche, Fase, Profil, Gewinde.
  2. Bauform wählen: Fläche mit Walzenstirn- oder Messerkopf, Nut mit Schaft- oder Scheibenfräser, Fase mit Winkelfräser, T-Nut mit T-Nutenfräser.
  3. Schneidstoff wählen: HSS oder VHM, je nach Werkstoff, Maschine und Herstellerangabe; VHM-Fräser laufen laut Gühring auf modernen CNC-Maschinen.
  4. Zähnezahl wählen: Der Spanraum begrenzt bei zähen Werkstoffen die mögliche Zähnezahl; Einzahnfräser eignen sich laut Fachwiki für Aluminium und Kunststoff.

Für Aluminium, Kunststoff und Plattenmaterial nennt das Fachwiki den Einzahnfräser. Für Holz gelten Profilmesserköpfe nur mit passenden Abweisern als spandickenbegrenzt und rückschlagarm.

Rechenbeispiel Vorschub

Die Vorschubgeschwindigkeit ergibt sich aus der Formel vf = fz × z × n. Dabei steht fz für den Vorschub je Zahn, z für die Zähnezahl und n für die Drehzahl.

Beispiel (Richtwert, keine Herstellerangabe): fz = 0,05 mm, z = 4, n = 3000 min⁻¹. Rechenweg: 0,05 mm × 4 = 0,2 mm je Umdrehung; 0,2 mm × 3000 min⁻¹ = 600 mm/min.

Daraus folgt: „Mehr Zähne bedeuten mehr Vorschub“ gilt nur bedingt. Der Vorschub je Zahn bleibt für die Spandicke maßgeblich. Zusätzliche Zähne erlauben rechnerisch einen höheren Tischvorschub, verkleinern aber den Spanraum. Bei zähen Werkstoffen begrenzt der Spanraum die mögliche Zähnezahl.

Häufige Fragen

Welche Arten von Fräsverfahren gibt es?

Unterschieden werden Umfangs- und Stirnfräsen sowie Gleich- und Gegenlauffräsen. Die Einteilung richtet sich danach, ob die Schneiden am Umfang oder an der Stirnseite arbeiten und ob Vorschub- und Schnittrichtung gleich- oder gegenläufig sind.

Was für Fräser gibt es für Metall?

Für Metall kommen Schaft-, Walzenstirn-, Scheiben-, Winkel-, Prismen-, T-Nut-, Gewinde-, Radius- und Messerkopffräser in Frage. Als Schneidstoffe sind HSS und VHM üblich, bei Wendeplatten-Fräsern wechselbare Schneideinsätze.

Was sind HSS-Fräser?

HSS steht für Schnellarbeitsstahl. HSS-Fräser sind neben VHM der übliche Schneidstoff für Schaftfräser.

Was ist besser, HSS oder Hartmetall?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. VHM-Universal- und Hochleistungsfräser laufen laut Gühring auf modernen CNC-Maschinen. Konkrete Standzeitvergleiche liefern nur Herstellerdaten.

Fazit

Wer Fräser auswählt, geht am besten von der Aufgabe aus und nicht vom Werkzeugkatalog. Für Nuten und Konturen genügt meist der Schaftfräser, für lange offene Nuten der Scheibenfräser, für Fasen der Winkelfräser. Kugel-, Vollradius- und Eckradiusfräser sind nicht austauschbar. Beim Schneidstoff stehen HSS und VHM zur Wahl, die Entscheidung hängt von Werkstoff, Maschine und Herstellerdaten ab. In der Holzbearbeitung sind Profilmesserköpfe nur mit passenden Abweisern zu betreiben. Die Vorschubrechnung vf = fz × z × n liefert einen Richtwert, die verbindlichen Schnittdaten stehen im Datenblatt des Herstellers.

Quellen

  • Fachakademie Schneidwerkzeug- & Schleiftechnik · Präzisionswerkzeugmechaniker-Wiki, Fräswerkzeuge · Abruf 10/2026 · fdpw.de
  • Gühring · FAQ Schaftfräser · Abruf 10/2026 · guehring.com
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