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CAM-Software: Was sie leistet und was sie kostet

Von der kostenlosen Privatversion bis zur 5-Achs-Lizenz für 2.040 USD im Jahr: Funktionen, Lizenzstufen und Folgekosten im Überblick.

Von Redaktion 6 Min. Lesezeit Aktualisiert

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Planfräser bearbeitet eine Werkstückoberfläche, kleine Metallspäne liegen verteilt auf dem Werkstück.
Foto: gefrorene_wand / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

CAM-Software erzeugt aus einem 3D-Modell Werkzeugbahnen und übersetzt sie per Postprozessor in NC-Code für die jeweilige Maschinensteuerung. Bei Autodesk Fusion reichen die Lizenzkosten von null Euro für die private Nutzung bis zu 2.040 USD pro Jahr für die erweiterte 3-, 4- und 5-Achs-Bearbeitung; für andere Systeme wie Siemens NX X sind keine Preise veröffentlicht.

Welches System passt, hängt vor allem vom Teilespektrum ab: Taschen und Konturen in 2,5D brauchen weniger als simultane Fünf-Achs-Bahnen, und Drehteile verlangen eigene Zyklen. Dazu kommen Folgekosten für Postprozessor, Simulation und Schulung, die in Preislisten selten auftauchen.

Hinweis: Lizenzbedingungen und Preise ändern sich und gelten je nach Region und Vertragsart unterschiedlich. Verbindlich sind allein die aktuellen Angaben des Herstellers oder Vertriebspartners.

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Was CAM-Software macht

CAM steht für Computer Aided Manufacturing, also rechnergestützte Fertigung. Die Software setzt dort an, wo die Konstruktion endet. Das CAD-Modell liefert die Geometrie, die CAM-Software legt fest, wie ein Werkzeug sie aus dem Rohteil herausarbeitet.

Bei fast allen Systemen läuft es so ab:

  1. CAD-Modell importieren oder direkt im integrierten CAD konstruieren.
  2. Rohteil, Spannmittel und Nullpunkt definieren.
  3. Bearbeitungsstrategien wählen, Werkzeuge und Schnittdaten zuweisen. Das ist das eigentliche Programmieren der Fräsbahnen.
  4. Werkzeugbahnen simulieren und auf Kollisionen prüfen.
  5. Per Postprozessor den NC-Code für die Steuerung ausgeben.

Der Postprozessor übersetzt die maschinenneutralen Werkzeugbahnen in steuerungsspezifischen Code. Laut Wikipedia dominieren bei den Steuerungen Fanuc, Siemens und Heidenhain den Markt. Jede dieser Steuerungen versteht ihren eigenen Dialekt, ein Programm für die eine läuft nicht ohne Anpassung auf der anderen.

2,5D, 3+2, 5-Achs simultan: welche Anforderungen

Die Lizenzstufen der Hersteller folgen im Kern der Achszahl. Wer die Stufen kennt, vermeidet Überausstattung und auch eine Lizenz, die beim ersten komplexen Teil nicht reicht.

  • 2,5D: Taschen, Konturen, Bohrungen. Die Z-Achse stellt nur zwischen den Ebenen zu. Typisch für Platten, Gehäuse und Vorrichtungsbau.
  • 3-Achs-Freiform: Alle drei Achsen fahren gleichzeitig, etwa bei Formen, Gesenken oder gewölbten Flächen.
  • 3+2: Das Werkstück oder der Kopf wird in eine feste Schräglage geschwenkt, gefräst wird dann in drei Achsen. Das ermöglicht Bearbeitung von mehreren Seiten in einer Aufspannung.
  • 5-Achs simultan: Alle fünf Achsen bewegen sich gleichzeitig, etwa bei Turbinenschaufeln, Impellern oder tiefen Kavitäten, die mit kurzem Werkzeug erreicht werden sollen.
  • Drehen und Fräsdrehen: Eigene Zyklen für Drehmaschinen und Dreh-Fräs-Zentren, die in Fräspaketen oft fehlen.

Die Entscheidung folgt der Maschine im Betrieb. Eine 3-Achs-Maschine profitiert nicht von Fünf-Achs-Modulen, ein Bearbeitungszentrum mit Schwenktisch dagegen schon.

Anbieter im Überblick

Der Markt ist breit. Cimdata bezifferte den Weltmarkt für CAD/CAM-Software und -Services für 2019 auf 2,4 Mrd. US-Dollar, Mastercam war laut dem Fachmagazin mav mit über 274.000 Installationen das verbreitetste System. Beide Angaben stammen aus 2019 und wurden 2021 veröffentlicht, sie sind veraltet und taugen nur als Größenordnung.

Die eine beste CAM-Software gibt es nicht: Maßgeblich sind Teilespektrum, Maschinenpark und Steuerung, und belastbare Vergleichstests über alle Systeme liegen nicht vor.

Lizenz2,5D3-Achs-Freiform5-Achs simultanDrehenPreis
Fusion Basislaut Hersteller prüfenlaut Hersteller prüfenlaut Hersteller prüfenlaut Hersteller prüfen680 USD/Jahr
Fusion for Manufacturinglaut Hersteller prüfenja (erweiterte 3-/4-/5-Achs-Bearbeitung)ja (erweiterte 3-/4-/5-Achs-Bearbeitung)laut Hersteller prüfen2.040 USD/Jahr
NX X Standardja (2,5-Achs)laut Hersteller prüfenlaut Hersteller prüfenjanicht veröffentlicht
NX X Advancedlaut Hersteller prüfenja (3-Achs, Freiform)laut Hersteller prüfenlaut Hersteller prüfennicht veröffentlicht
NX X Premiumlaut Hersteller prüfenlaut Hersteller prüfenja (mehrachsig)laut Hersteller prüfennicht veröffentlicht
Freewareje Programm prüfenje Programm prüfenje Programm prüfenmeist nein0 €

Die Spalten für Fusion beruhen auf der Stufenbeschreibung des Herstellers, bei Drehen und genauem Funktionsumfang sollte vor dem Kauf die aktuelle Leistungsbeschreibung herangezogen werden. Siemens staffelt NX X Manufacturing laut Produktseite in Standard (2,5-Achs-Fräsen, Drehen, Messen), Advanced (3-Achs, Freiform) und Premium (mehrachsig), nennt aber keine Preise. Hier führt nur eine Anfrage beim Vertrieb weiter.

Kosten: Lizenzmodelle und 3-Jahres-Rechnung

Bei Fusion nennt Autodesk laut Herstellerseite für das Basis-Abo 680 USD pro Jahr und für Fusion for Manufacturing mit erweiterter 3-, 4- und 5-Achs-Bearbeitung 2.040 USD pro Jahr. Einzelne Erweiterungen liegen zwischen 595 und 1.465 USD pro Jahr. Eine Drittquelle nennt für das Jahresabo in Deutschland rund 700 € brutto, diese Angabe ist nicht herstellerseitig bestätigt.

Über drei Jahre und einen Arbeitsplatz summieren sich die Lizenzen auf die folgenden Beträge.

PostenRechnungSumme
Fusion Basis, 3 Jahre680 USD × 32.040 USD
Fusion for Manufacturing, 3 Jahre2.040 USD × 36.120 USD
Aufpreis Mehrachs-Funktionen6.120 − 2.040 USD4.080 USD
Postprozessor-Anpassungje Steuerungoffen
Schulungje Mitarbeiteroffen

Der Aufpreis für die Mehrachs-Funktionen beträgt 1.360 USD pro Jahr. Ob er sich rechnet, hängt davon ab, ob Fünf-Achs-Teile im Auftragsmix vorkommen und die Maschine sie fahren kann. Der Wechselkurs ist in der Rechnung nicht berücksichtigt. Postprozessor und Schulung sind bewusst als offene Zeilen geführt: Dafür liegen keine belegten Preise vor, sie müssen im Einzelfall beim Anbieter angefragt werden.

Kostenlose CAM-Software: Grenzen und Lizenzbedingungen

Kostenlos bedeutet nicht kostenlos für jeden Zweck. Fusion for Personal Use ist nach Angaben von cadsoft.de auf nicht-kommerzielle Nutzung unter 1.000 USD Jahresumsatz beschränkt und bietet reduzierte CAM- und Exportfunktionen. Für gewerbliche Aufträge ist diese Version nach dieser Angabe nicht vorgesehen; maßgeblich sind die Lizenzbedingungen von Autodesk.

Auch funktional gibt es Grenzen. Ein TopSolid-Händler listete 2018 typische Einschränkungen freier CAM-Programme auf: meist keine Drehfunktionen, nur vereinfachte Simulation ohne Maschinenkinematik, keine Rohteilaktualisierung und kaum Postprozessor-Anpassung. Die Aussage stammt von einem Anbieter kommerzieller Software und ist acht Jahre alt. Sie beschreibt eine Tendenz, ersetzt aber keine Prüfung des konkreten Programms.

Für den gewerblichen Einsatz kommt in der Regel ein bezahltes Abo in Frage; bei Freeware sind Lizenzbedingungen und Funktionsumfang vorher zu prüfen.

Postprozessor, Simulation, Schulung: die Folgekosten

Neben der Lizenz fallen Folgekosten an, die in Preislisten selten stehen. Ein Postprozessor, der nicht zur Steuerung und Kinematik passt, ist ein Risiko, deshalb gehört seine Prüfung in jede Einführung.

Für den Postprozessor sind folgende Punkte zu klären.

  • Steuerung benennen: Fanuc, Siemens oder Heidenhain, mit genauem Typ und Softwarestand.
  • Kinematik der Maschine festlegen: Anzahl und Anordnung der Drehachsen, Schwenkbereiche, Nullpunktlage.
  • Zyklen klären: Bohr-, Gewinde- und Tastzyklen der Steuerung, die der Postprozessor ausgeben soll.
  • Testlauf in der Maschinensimulation durchführen, bevor die Maschine das erste Programm fährt.
  • Erstes Teil im Einzelsatzbetrieb mit reduziertem Vorschub fahren.

Die Maschinensimulation sollte die tatsächliche Kinematik abbilden. Vereinfachte Simulationen ohne Maschinenmodell zeigen die Werkzeugbahn, aber keine Kollision mit Spindel, Tisch oder Spannmittel. Gerade bei Mehrachs-Bearbeitung ist dieser Unterschied relevant.

Schulung ist der dritte Posten. Wer bisher an der Steuerung programmiert hat, wechselt auf eine andere Arbeitsweise, die Einarbeitung kostet Zeit. Bei 45,00 € durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde in Deutschland (Statistisches Bundesamt, 2025) summieren sich selbst wenige Schulungstage zu einem spürbaren Betrag, der in keinem Lizenzvergleich steht.

Auswahlkriterien für Betriebe

Sinnvoll ist eine Reihenfolge, die beim Teilespektrum beginnt:

  1. Teilespektrum klären: 2,5D, Freiform, 3+2, 5-Achs simultan, Drehen. Die höchste regelmäßig gebrauchte Stufe bestimmt die Lizenz.
  2. Maschinenpark erfassen: Welche Steuerungen und Kinematiken sind im Einsatz? Das legt Zahl und Aufwand der Postprozessoren fest.
  3. Lizenzbedingungen lesen: Gewerbliche Nutzung, Umsatzgrenzen, Anzahl der Arbeitsplätze, Laufzeit und Kündigung.
  4. Datenschnittstelle prüfen: Können die CAD-Formate der Kunden ohne Verlust importiert werden?
  5. Folgekosten einplanen: Postprozessor, Simulation, Schulung als eigene Zeilen in der Kalkulation führen.
  6. Testphase nutzen: Ein reales Bauteil durch den gesamten Ablauf bis zum ersten Probestück führen.

Für Kostenfragen rund um die fertigen Teile, etwa Rüstzeiten und Stückzahleffekte, braucht es eine eigene Kalkulation. Wie stark die Software Programmier- und Maschinenzeit beeinflusst, hängt vom Teil und der gewählten Strategie ab.

Fazit

Das Basis-Abo für 680 USD pro Jahr kommt für Betriebe in Frage, sofern der Funktionsumfang zum Teilespektrum passt. Die 2.040 USD für Mehrachs-Funktionen lohnen sich erst, wenn die Maschine mehrachsig fährt und entsprechende Teile regelmäßig anfallen. Die kostenlose Fusion-Version ist für gewerbliche Nutzung nicht vorgesehen. Vor jeder Entscheidung sollten Postprozessor, Maschinensimulation und Schulung als eigene Posten kalkuliert und ein reales Teil im Test bis zum Probestück gefahren werden.

Quellen

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