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Welches Gas zum WIG-Schweißen? Argon, Menge, Kosten

Reines Argon 4.6 deckt fast alles ab. Für Aluminium, Edelstahl und Titan gelten eigene Regeln – dazu Durchfluss, Korrekturfaktoren und Gaskosten je Stunde.

Von Redaktion 6 Min. Lesezeit

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Schweißer arbeitet mit leuchtendem Lichtbogen an einem gebogenen Metallrohr in dunkler Umgebung.
Foto: TheOtherKev / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Für das WIG-Schweißen ist reines Argon der Standard: Qualität 4.6 mit 99,996 Vol.-% Reinheit, bei etwa 5 bis 12 l/min Durchfluss. Das Schutzgas nach ISO 14175 trägt die Kurzbezeichnung I1-Ar und passt laut Linde Gas für alle schweißbaren Metalle; Zusätze wie Helium oder Wasserstoff kommen nur bei bestimmten Werkstoffen und Zielen dazu.

Das Gas schützt Wolframelektrode, Lichtbogen und Schmelzbad vor Luft. Zu wenig Durchfluss lässt Luft ans Bad, zu viel verschlechtert den Schutz ebenfalls. Beides lässt sich vermeiden, wenn Gasart, Menge und Düse zum Werkstoff passen.

Sicherheitshinweis: Argon ist schwerer als Luft und kann in Behältern, Gruben und engen Räumen den Sauerstoff verdrängen. Es besteht Erstickungsgefahr. Für solche Arbeiten gilt die DGUV Regel 113-004 (Behälter, Silos und enge Räume); sie ersetzt keine Unterweisung durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit.

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Welches Gas fürs WIG? Argon 4.6 als Standard

Die Norm DIN EN ISO 14175 teilt Schutzgase in Gruppen ein: I steht für inert, I1 ist reines Argon. M1 bis M3 sind oxidierende Mischgase, C1 ist reines CO₂, R sind reduzierende Gemische, N reaktionsträge Gemische. Beim WIG-Schweißen kommen praktisch nur I-, R- und N-Gase in Frage.

Die Reinheit steht in der Qualitätsangabe. „4.6“ bedeutet 99,996 Vol.-% Argon, „4.8“ bedeutet 99,998 Vol.-%. Nach Linde Gas genügt 4.6 für nahezu alle Anwendungen. Argon 4.8 ist für reaktive Werkstoffe wie Titan und Tantal vorgesehen, weil schon kleinste Verunreinigungen die Schweißnaht verspröden können.

Kann man mit Mischgas (Ar/CO₂) WIG schweißen?

Nein, jedenfalls nicht mit aktiven Gemischen. Mischgase mit CO₂ oder Sauerstoff, etwa das MAG-Gas M21 mit 15 bis 25 % CO₂, sind aktiv. Sie gehören nicht in den WIG-Brenner, ihr Platz ist beim MAG-Schweißen. Die Gassystematik dahinter erklärt der Beitrag zum Unterschied zwischen MIG und MAG.

Gas nach Werkstoff: Stahl, Edelstahl, Aluminium, Kupfer, Titan

WerkstoffGasHinweis
Unlegierter StahlArgon 4.6 (I1)Standardfall
Austenitischer CrNi-StahlArgon 4.6 oder Ar + H₂ (H2, H5 bis H15)Wurzelschutz erforderlich
Duplex, vollaustenitischAr + N₂-ZusatzGehalt nach Herstellerangabe
NickelbasisArgon 4.6 oder Ar + H₂H₂ nur austenitisch und Ni
AluminiumArgon 4.6 oder Ar + He15 bis He70Helium macht den Lichtbogen heißer
KupferArgon 4.6 oder Ar + He15 bis He70höhere Ströme nötig
Titan, TantalArgon 4.8zusätzlich Schleppgas und Wurzelschutz

Quelle der Zuordnung: Linde Gas, Informationen zum WIG-Schweißen. Für Edelstahl gilt: Argon geht immer, Wasserstoff nur bei austenitischen Stählen, rückseitig braucht es Wurzelschutz.

Helium-, Wasserstoff- und Stickstoffzusätze – wann sinnvoll

Helium erzeugt einen heißeren Lichtbogen. Das ist laut Linde für Aluminium und Kupfer vorgesehen. Die Gemische tragen die Bezeichnung He15 bis He70, die Zahl steht für den Heliumanteil in Prozent. Für Stahl sind Helium-Zusätze laut Linde nicht vorgesehen.

Wasserstoff (H2, H5 bis H15 nach Linde) macht den Lichtbogen enger und das Bad dünnflüssiger. Er ist laut Linde ausschließlich für austenitische Stähle und Nickel gedacht. Für andere Werkstoffe wie Kupfer, Aluminium oder Titan ist er laut Linde nicht vorgesehen.

Stickstoffzusätze sind laut Linde für Duplex und vollaustenitische Stähle vorgesehen. Konkrete Anteile legen die Gashersteller und Schweißzusatz-Datenblätter fest.

Gasmenge einstellen: l/min, Düse, Gaslinse, Korrekturfaktoren

Linde nennt für Argon beim WIG etwa 5 bis 12 l/min, abhängig von Strom, Werkstoff und Gasart. Ein anderer Anbieter nennt 5 bis 10 l/min. Beide Spannen überlappen im Kern. Als Faustregel gilt: kleine Ströme und kleine Düsen am unteren Ende, hohe Ströme und große Düsen am oberen.

Die Stromstärke folgt aus der Wanddicke. Richtwert sind 30 bis 50 A je mm. Daraus ergeben sich für Stahlblech:

BlechdickeEinstellbereichGeräteklasse (Linde)
1,5 mm45–75 Abis 2 mm ≈ 120 A
3 mm90–150 Abis 4 mm ≈ 200 A
6 mm180–300 Abis 6 mm ≈ 250 A

Die rechte Spalte nennt die Größe der Stromquelle, nicht den Einstellwert. Bei Kupfer liegen die Werte jeweils höher. Gleichstrom mit der Elektrode am Minuspol ist für Stähle, Kupfer, Nickel und Titan üblich; die Elektrodenspitze wird mit 30 bis 60° angeschliffen, der Brenner stechend mit etwa 15 bis 40° geneigt.

Korrekturfaktor bei Helium-Gemischen

Bei He-haltigen Gasen wird der Durchfluss mit einem Korrekturfaktor eingestellt. Nach Linde gilt: Einstellwert = benötigte Gasmenge ÷ Korrekturfaktor, mit den Faktoren 1,17 für He30, 1,35 für He50 und 1,70 für He70. Das Beispiel für 12 l/min tatsächlichen Bedarf:

GasFaktorRechnungEinstellwert
He301,1712 ÷ 1,1710,3 l/min
He501,3512 ÷ 1,358,9 l/min
He701,7012 ÷ 1,707,1 l/min

Düse und Gaslinse

Je größer die Düse, desto mehr Gas braucht der Schleier. Konkrete Zuordnungen von Düsengröße zu l/min liefern die Brennerhersteller.

Vor- und Nachströmzeit, Formieren und Wurzelschutz

Das Gas muss vor dem Zünden strömen und nach dem Erlöschen des Lichtbogens weiterlaufen, bis Elektrode und Naht abgekühlt sind. Die Einstellung erfolgt an der Schweißanlage. Konkrete Zeiten legen die Anlagen- und Gashersteller fest; üblicherweise wird die Nachströmzeit nach Stromstärke und Elektrodendurchmesser gewählt.

Bei CrNi-Stählen reicht der Schutz von oben nicht. Fehlt rückseitig das Formieren, entsteht eine oxidierte, „blumenkohlartige“ Wurzel. Als Formiergas dient nach Messer eine Mischung aus 80 bis 95 % N₂ und 5 bis 20 % H₂. Anlauffarben müssen anschließend entfernt werden, sonst bildet sich die Passivschicht nicht neu.

Kosten: Wie lange reicht eine Flasche?

Linde nennt im Shop (Stand Oktober 2026, netto, „ab“-Preise je Behälter): Argon 4.6 ab 156 €, Varigon H2/H5 ab 164 €, He15 ab 235 €, He30 ab 312 €, He50 ab 315 €. Die Behältergröße steht auf der Seite nicht. Die folgende Rechnung nimmt eine Standardflasche mit 50 l bei 200 bar an, also etwa 10 000 l Gas. Diese Annahme muss vor der Anwendung auf den eigenen Liefervertrag geprüft werden.

DurchflussRechnungBrenndauer je Flasche
5 l/min10 000 ÷ 5 = 2 000 minca. 33 h
8 l/min10 000 ÷ 8 = 1 250 minca. 21 h
12 l/min10 000 ÷ 12 ≈ 833 minca. 14 h

Bei 156 € netto je Flasche kostet ein Liter 1,56 ct. Bei 8 l/min entspricht das etwa 0,125 € je Minute oder 7,50 € je Stunde. Über die Spanne von 5 bis 12 l/min ergeben sich rechnerisch rund 4,70 bis 11,20 € netto je Brennstunde. Reine Brennzeit ist dabei nur ein Teil der Arbeitszeit; Vorbereitung, Heften und Pausen verbrauchen mit Nachströmzeit zusätzlich Gas.

Typische Fehler: zu viel Gas, zu wenig Gas, Zugluft

  • Zu wenig Gas: Luft gelangt ans Schmelzbad, der Schutz von Naht und Elektrode fehlt.
  • Zu viel Gas: Die Strömung wird turbulent und zieht über Verwirbelung Umgebungsluft in den Schleier. Der Schutz verschlechtert sich, obwohl mehr Argon verbraucht wird. Zusätzlich steigen die Kosten. Herstellerempfehlungen zu Düse und Strom sind maßgeblich.
  • Zugluft: Zugluft stört das Schutzgas. Praxiswerte nennen Probleme ab etwa 2 m/s, normiert ist das nicht. Abschirmen oder an geschützter Stelle schweißen ist die bessere Maßnahme.
  • Falsche Gasart: Wasserstoff ist nur für austenitische Stähle und Nickel vorgesehen, CO₂-haltige Mischgase gehören nicht in den WIG-Brenner, und Titan verlangt Argon 4.8 statt 4.6.
  • Helium ohne Korrekturfaktor: Der Durchfluss wird falsch eingestellt.

Häufige Fragen

Wie viel Liter Argon beim WIG?

Nach Linde etwa 5 bis 12 l/min. Kleine Ströme und kleine Düsen liegen am unteren Rand, große Düsen und hohe Ströme am oberen. Bei Heliumgemischen wird mit dem Korrekturfaktor am Durchflussmesser nachgerechnet.

Wie stelle ich das Gas beim WIG-Schweißen ein?

Flasche öffnen, Durchflussmesser auf den gewünschten Wert in l/min stellen, bei strömendem Gas ablesen und die Düse zur Stromstärke passend wählen. Bei Ar/He-Gemischen den Wert durch den Faktor teilen (He30 1,17, He50 1,35, He70 1,70).

Was passiert bei zu viel Gas?

Die Strömung verwirbelt und zieht Luft in den Schleier. Der Schutz wird schlechter, der Verbrauch steigt.

Was bedeutet Argon 4.6 vs. 4.8?

Die Ziffern geben die Reinheit an: 4.6 entspricht 99,996 Vol.-%, 4.8 entspricht 99,998 Vol.-%. Für Titan und Tantal verlangt Linde 4.8, für alle anderen Werkstoffe reicht 4.6.

Fazit

Für die meisten WIG-Arbeiten genügt Argon 4.6 bei 5 bis 12 l/min. Wer Aluminium oder Kupfer zügig und tief schweißen will, probiert Ar/He-Gemische und rechnet den Durchfluss mit dem Faktor um. Wasserstoffzusatz bleibt austenitischen Stählen und Nickel vorbehalten, Titan bekommt Argon 4.8, Schleppgas und Wurzelschutz. Wer die Flaschenkosten im Blick behalten will, rechnet mit etwa 4,70 bis 11,20 € netto je Brennstunde (Annahme: 10 000 l je Flasche) und prüft vorab die tatsächliche Flaschengröße des Lieferanten.

Quellen

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