
Die Körnung beschreibt die Größe der Schleifkörner: P80 bedeutet laut FEPA-Tabelle eine mittlere Korngröße von 201 µm, P120 von 125 µm und P240 von 58,5 µm. Je höher die Zahl, desto feiner das Korn, desto glatter die Oberfläche und desto geringer der Materialabtrag.
Die Zahl sagt nichts über die Anzahl der Körner aus. Wer die Körnung als „Körner pro Quadratzentimeter“ erklärt, liegt falsch. Gemeint ist die Klasse, in die das Korn bei der Herstellung einsortiert wird.
Körnung bei Schleifmitteln: Was die Zahl wirklich misst
Die Körnungszahl bezeichnet eine Korngrößenklasse. Im groben Bereich geht sie auf die Siebung zurück, wobei sich die Maschenzahl auf die Länge von einem Zoll (25,4 mm) bezieht, nicht auf eine Fläche. Als exakte Maschenzahl darf man sie auch dort nicht lesen: P40 entspricht 425 µm laut FEPA-Tabelle. Die oft zitierte Angabe „Maschen pro Quadratzoll“ ist daher ungenau.
Dieser Bezug gilt nur bis P220. Laut FEPA-Standard werden Makrokörnungen (P12 bis P220) durch Sieben klassifiziert, Mikrokörnungen (P240 bis P2500) durch Sedimentation. Ab P240 ist die Zahl somit keine Maschenzahl mehr, sondern eine Bezeichnung für eine Klasse, die über das Absinkverhalten der Körner in einer Flüssigkeit bestimmt wird. Proportional zur Korngröße ist sie dort nicht.
Die FEPA legt außerdem zulässige Abweichungen und den Überkornanteil fest, neben der mittleren Korngröße. Überkorn sind einzelne zu große Körner. Bei P240 beträgt die mittlere Korngröße 58,5 ± 2 µm.
P, F, CAMI, JIS: welche Skala wo gilt
Gleiche Zahl heißt nicht gleiche Korngröße. Der Buchstabe vor der Zahl entscheidet, welche Norm gemeint ist.
- P: FEPA-Körnung für flexible Schleifmittel wie Schleifpapier, Schleifbänder und Fächerscheiben.
- F: FEPA-Körnung für starre, gebundene Schleifmittel wie Schleifscheiben und Schleifsteine.
- ANSI/CAMI: US-System, das ohne Buchstaben auskommt und im Feinbereich von P abweicht.
- JIS: japanische Skala mit eigener Zählung (J100 entspricht etwa 125 µm).
Das ältere „K“ (etwa K80) steht für eine frühere Bezeichnung von Schleifpapierkörnungen; heute gilt für Papier das P der FEPA. Eine Zahl ohne Buchstaben stammt meist aus älteren Angaben oder aus dem ANSI-System; im Zweifel hilft der Abgleich über die Korngröße in µm.
| Bezeichnung | P | F | ANSI | JIS |
|---|---|---|---|---|
| Nennwert 80 | P80: 201 µm | F80: 185 µm | – | – |
| Nennwert 120 | P120: 125 µm | F120: 109 µm | ANSI 120: ca. 125 µm | J100: 125 µm |
| Nennwert 240 | P240: 58,5 µm | – | ANSI 220 ≈ P240 | – |
Nach Angaben von Schleifmittelherstellern liegen P und F bei gleicher Zahl auseinander; bei P/F80 und P/F120 beträgt der Unterschied jeweils 16 µm: P80 hat 201 µm, F80 nur 185 µm, P120 hat 125 µm, F120 nur 109 µm. P und ANSI stimmen im Grobbereich (P80, P120) in der Zahl überein und laufen ab etwa P240 auseinander. P240 mit 58 µm entspricht ANSI 220, während ANSI 240 bei etwa 52 µm liegt.
Tabelle: Körnung in Mikrometer und Einsatz
Die Korngrößen stammen aus der FEPA-Standardtabelle und aus Herstellertabellen. Die Zuordnung zur Fertigungsaufgabe ist eine Orientierung, denn die Einteilung in grob, mittel und fein ziehen Hersteller unterschiedlich: Bei manchen gilt P80 als grob, bei anderen als mittel.
| Körnung | Korngröße | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| P24 | 764 µm | Grobabtrag, Entfernen von Zunder und Schweißnähten |
| P36 | 538 µm | Schruppen, Kanten brechen |
| P40 | 425 µm | Schruppen, Altlack entfernen |
| P60 | 269 µm | Vorschliff, Einebnen |
| P80 | 201 µm | Zwischenschliff nach grobem Abtrag |
| P100 | 162 µm | Zwischenschliff |
| P120 | 125 µm | Feinschliff vor Folgeschritten |
| P240 | 58,5 µm | Feinschliff, Vorbereitung für Lack oder Beschichtung |
| P320 | 46,2 µm | Feinschliff |
| P400 | 35,0 µm | Feinschliff, Zwischenschliff bei Lack |
| P600 | 25,8 µm | Vorpolieren |
| P800 | 21,8 µm | Vorpolieren, Mattierung |
Die Aufgaben sind Richtwerte aus der Praxis und keine normierten Zuordnungen. Welche Rauheit sich tatsächlich einstellt, hängt zusätzlich von Anpressdruck, Werkstoff, Schleifmittelart und Schleifmitteleinsatz ab.
Körnung 100 entspricht 162 µm und liegt damit zwischen P80 und P120. Körnung 120 bei Schleifpapier bedeutet 125 µm, Körnung 400 steht für 35,0 µm. P40 hat 425 µm und gehört klar zum Schruppbereich. Von 100 und 180 ist 180 das feinere Korn, weil die höhere Zahl immer das feinere Korn bezeichnet.
Stufenfolge beim Schleifen: wie groß darf der Sprung sein
Jede Stufe soll die Riefen der vorherigen vollständig beseitigen. Ist der Sprung zu groß, bleiben tiefe Kratzer aus dem Vorschritt stehen, und die Schleifzeit steigt, weil die feine Körnung sie mühsam ausarbeiten muss.
Eine verbreitete Faustregel besagt, die Körnungszahl höchstens zu verdoppeln. Sie ist keine Normaussage, lässt sich aber mit den FEPA-Werten nachrechnen:
- P80 → P120: 201 µm / 125 µm = Faktor 1,6
- P120 → P240: 125 µm / 58,5 µm = Faktor 2,1
- P80 → P240: 201 µm / 58,5 µm = Faktor 3,4
- P80 → P150 (Zahl verdoppelt): 201 µm → rund 100 µm = Faktor 2,0
Im Makrobereich entspricht eine Verdopplung der Zahl also ungefähr einer Halbierung der Korngröße. Der Schritt von P80 auf P240 verkleinert das Korn dagegen um das 3,4-Fache und ist als einzelne Stufe zu groß. Sinnvoll sind Zwischenstufen, bei denen sich die Korngröße pro Schritt höchstens etwa halbiert, etwa P80, P120, P240. Für Mikrokörnungen ab P240 taugt die Faustregel nur eingeschränkt, weil die Zahl dort nicht proportional zur Korngröße ist. Hier gilt der Blick in die µm-Tabelle.
Körnung bei Schleifscheiben (F) und Zusammenhang mit Härte und Bindung
In der Fertigung begegnet die Körnung vor allem auf gebundenen Schleifkörpern. Dort gilt die F-Skala, und die Körnung ist nur eine von mehreren Angaben im Scheibencode. Nach dem Schema der ISO 525 werden Schleifmittel, Körnung, Härtegrad, Gefüge und Bindung angegeben. Ein Beispiel ist A 60 L 5 V: Korund, Körnung 60, Härte L, Gefüge 5, keramische Bindung.
Grobe F-Körnungen für Schleifscheiben liegen laut Herstellertabelle bei F24 = 745 µm, F36 = 525 µm, F46 = 370 µm und F60 = 260 µm.
Die Härte einer Scheibe ist nicht die Härte des Korns, sondern die Haltekraft der Bindung. Sie reicht von A (äußerst weich) bis Z (äußerst hart). Je härter der zu bearbeitende Werkstoff, desto weicher sollte die Bindung sein. Eine zu harte Bindung führt zum Verglasen, eine zu weiche zu hohem Verschleiß.
Das Gefüge beschreibt den Porenanteil auf einer Skala von 0 bis 18, wobei eine höhere Ziffer ein offeneres Gefüge bedeutet. Es muss umso offener sein, je größer Zustellung und Vorschub sind. Als Orientierung für gehärtete Stähle nennt ein Herstellerkatalog Edelkorund mit Körnung 60 bis 80, Härte K bis L und keramischer Bindung. Für Hartmetall wird grünes Siliciumcarbid mit Körnung 60 bis 80, Härte I bis K und keramischer Bindung empfohlen.
Die Körnung wirkt sich im Prozess so aus: Gröberes Korn trägt mehr Material ab und hinterlässt eine rauere Oberfläche, feineres Korn liefert geringere Rauheit bei kleinerem Abtrag. Gebundene Scheiben müssen nach EN 12413 gekennzeichnet sein, mit maximaler Drehzahl, Arbeitshöchstgeschwindigkeit in m/s und Verfallsdatum.
Andere Bedeutungen: Kies, Boden, Foto
Der Begriff ist nicht auf Schleifmittel beschränkt. Drei Bedeutungen tauchen häufig auf:
- Kies und Splitt: Die Körnung wird in Millimetern als Lieferkörnung angegeben, etwa 8/16 mm für ein Gemisch mit Korngrößen zwischen 8 und 16 mm.
- Boden: Die Körnung beschreibt die Zusammensetzung nach Korngrößen und bestimmt die Bodenart (Sand, Schluff, Ton).
- Foto und Film: Das Filmkorn ist die sichtbare Körnigkeit eines Bildes, abhängig von der Filmempfindlichkeit.
Häufige Fehler bei der Körnungsangabe
- Die Zahl als Kornanzahl pro Fläche zu deuten. Sie bezeichnet die Korngrößenklasse.
- P- und F-Werte gleichzusetzen. P120 hat 125 µm, F120 nur 109 µm.
- Die Stufe beim Wechsel zu groß zu wählen. Ein Sprung von P80 auf P240 verkleinert das Korn um das 3,4-Fache.
- Die Einteilung in grob, mittel und fein als feste Norm zu behandeln. Sie ist herstellerabhängig.
- Das Maschenzahl-Modell auf Mikrokörnungen anzuwenden. Ab P240 gilt die Sedimentation, keine Siebung.
Häufige Fragen zur Körnung
Was ist der Unterschied zwischen K und P?
P ist die FEPA-Bezeichnung für flexible Schleifmittel wie Papier und Bänder. K war eine frühere Bezeichnung für Schleifpapierkörnungen, heute gilt für Papier das P der FEPA. Bei älteren Papieren hilft ein Blick auf die Korngröße in der Tabelle.
Welche Körnung ist feiner, 100 oder 180?
180 ist feiner. Bei allen gängigen Skalen steht die höhere Zahl für das feinere Korn. P100 entspricht 162 µm. Die Zahl 180 liegt zwischen P120 (125 µm) und P240 (58,5 µm), das Korn ist also feiner als bei P100.
Was bedeutet P40 bei Schleifpapier?
P40 steht für eine mittlere Korngröße von 425 µm. Das ist ein grobes Korn für starken Abtrag, etwa beim Entfernen von Altlack oder Rost.
Gilt bei Schleifscheiben dieselbe Zahl wie bei Papier?
Nein. Bei Schleifscheiben gilt die F-Skala, bei Papier die P-Skala. Gleiche Zahlen führen zu unterschiedlichen Korngrößen, etwa P80 mit 201 µm gegenüber F80 mit 185 µm.
Fazit
Die Körnung ist eine Größenklasse, keine Kornanzahl. Wer Schleifmittel verschiedener Hersteller oder Normen kombiniert, sollte immer die Korngröße in µm vergleichen und nicht nur die Zahl. Für die Stufenfolge empfiehlt sich im Makrobereich ein Korngrößenverhältnis von höchstens etwa 2 zwischen den Stufen, etwa P80, P120, P240. Bei gebundenen Schleifmitteln gehört die F-Körnung zum gesamten Scheibencode und muss zusammen mit Härte, Gefüge und Bindung gewählt werden.
Quellen
- FEPA-Standard-Tabelle · Schleifpapier-Klassifizierung nach Korngröße (Wikimedia) · Abruf 10/2026
- Zische · Korngrößentabelle FEPA/JIS/ANSI · Abruf 10/2026
- Klingenschliff Gebhardt · Körnungsgrößentabelle (FEPA) · Quelle bei Abruf 10/2026 nicht erreichbar
- Novo Abrasive · FEPA Standard · Abruf 10/2026
- Metallography.org · Grit Size Conversion Chart · Abruf 10/2026
- TDT-Vertrieb · Schleifscheiben Normbezeichnung · Abruf 10/2026
- Lukas-Erzett · Schleifen und Polieren mit gebundenen Werkzeugen (ISO 525) · Abruf 10/2026
- Klingspor · Härte einer Schleifscheibe · Abruf 10/2026
- Karl GmbH · Schleifkörper Allgemeines · Abruf 10/2026
- H.B. Schleifmittel · Katalog Schleifscheiben (2018) · Quelle bei Abruf 10/2026 nicht erreichbar


